Das Kasseler Duo Some More Crime formierte sich 1990 mit der Idee, die gesprochene, aus Pre-Internet-Medien gesampelte Stimme als ausschließliches Text-Instrument einzusetzen. Während des Kunststudiums hatte sich der Trommler Bernd Friedmann (Burnt Friedmann / Nonplace Urban Field) mit dem Gitarristen Frank Hernandez zusammengetan, um die Abgründe des Zusammenhangs von Gewalt in den Medien, bzw. mind control, zu studieren und zu verstehen, und diese im Studio als Quasi-Collagen mit Grooves zur Entfaltung zu bringen. Some More Crime kann heute gewissermaßen als Nachzügler von Laibach, oder als konzeptueller Vorläufer von Rammstein betrachtet werden. Mit Ihrer dritten, 23 Titel umfassenden CD schafften es die Konstrukteure an Samplern und Atari-Sequenzer, Frank Hernandez und Burnt Friedman 1993 schliesslich in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit zu kommen. Ihre überwiegend aus dem Amerikanischen gewonnenen, de-kontextualisierten Text-Cluster aus Interviews mit Gewaltverbrechern und damit verbundenen Medienkommentaren versuchte zu zeigen, dass die steifer werdende Deutungshoheit der Medien-Narrative zumindest eines vermochte, nämlich anstatt sinnstiftend zu wirken, die Massen in Angst und Verwirrung zu versetzen. Mit Friedmann's Umzug nach Köln wurde Some More Crime bereits 1994/95, also nach 3 Studio Alben beendet. Im Alleingang erzeugte Friedmann eine vierte, allerdings wenig beachtete CD, die angefangene Skizzen 1996 noch zur Vollendung und Veröffentlichung brachte. ZZO recordings Gründer Thomas Luckmann, Nürnberg, nahm sich des Duos 1990 an und unterstützte die künstlerische Arbeit trotz starken Seitenwinds des aufstrebenden, unwiderstehlichen Technosounds, der Anfang der 90ziger durch Deutschland's Musikszene zu wehen begann.
quête:burnt friedmann
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In Musik und Text verschmelzen über alle 11 Titel hindurch Stimmungen, Eindrücke der Sub-Sahara Konzert-Tour von B.Friedmann 2013 und Fetzen von Erinnerungen an eine imaginierte Zukunft. Sie reagieren auf reale "Kpafuca" - "things falling apart" - Zustände afrikanischer Metropolen und kollabieren zu Grooves und Phrasen, die an Chris Marker´s Science-Fiction-Apokalyptik ( "La Jette"/ "Sans Soleil" ) erinnern. In dieser Polyphonie der Un-Orte schwingt auch der Geist reisender Klangabenteurer, zB. der musikethnologischen Praktiker Hartmut Geerken und Roman Bunka (Embryo), deren Visionen und Musik-Wirken sich gegen reduktionistische, essentialistische Inszenierungen sträubt. Gegen jene kulturellen Landkarten, die in die Musik immer wieder zwanghaft hineingezeichnet werden, setzt Friedman auf "Cease To Matter" im intuitiven Modus die befreiende Kraft des Rauschens, der Über-Mensch-Maschinen-Musik, der krummen Beats und des technischen Zufalls-Defekts, kurz: das "Un-gehör-sam" (Johannes Ismaiel-Wendt) gegenüber der normativen Deutungshoheit musikalischer Weltkarten.
Die Stimme des aus Texas stammenden in Berlin lebenden Performers und Vokalisten Daniel Dodd-Ellis wirkte bereits 2007 auf Burnt Friedman´s Album "First Night Forever" (non22). Die Lyrics stammen von beiden Autoren und wurden von Friedmann während der Produktionsvorgänge 2013 bis 2014 mehrfach zerlegt und neu zusammengesetzt. Die Zeile "Sky Is Blue Inside Of You" ist dem 1932 erschienenen Roman "Brave New World" von Aldous Huxley entnommen. Tracks 04 und 09 ("Cease To Matter") enthalten ein Piano Sample Edit basierend auf einer Komposition von Georges Invanovich Gurdjieff (1872-1949).
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